Historische Ansichtskarten

Kirchseiffen, ein Ortsteil von Hellenthal in der Eiffel, besaß ein 1786 errichtetes Bethaus. Es war ein einfacher rechteckiger Saalbau mit 5 Fensterachsen im Rundbogenstil und anschließender Pfarrwohnung. Die Gemeinde beschloss an der westlichen Seite einen Turm vorzubauen, "der dem Bau den Charakter einer Kirche geben sollte". Um den Bau finanzieren zu können, wandte sich 1818 die Gemeinde mit der Bitte um einen Zuschuss an den König Friedrich Wilhelm III., der mit 2300 Talern gewährt wurde. Kommunalbaumeister Ulich erhielt den Auftrag den Entwurf anzufertigen, der 1820 in der Berliner Oberbaudeputation eingereicht wurde. Da Schinkel einige Änderungen vornahm, ließ er den Plan neu Zeichnen. Die Änderungen betrafen "Verschönerungen und edlere Gestaltung" (lt. Ulich). Schinkel rückte den Turm mit der Breitseite in die Mitte der Westwand und den Eingang an die Vorderseite. Die Turmuhr sollte von einem rechteckigen Rahmen umgeben sein und das Mauerwerk sollte eine Putzquaderung erhalten. Die von Schinkel abgeänderten Entwürfe wurden zur Ausführung bestimmt. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 3168 Taler. Die Bauarbeiten fanden 1822-1824 statt. Ulich leitete den Bau vor Ort und ließ einige Änderungen bei der Ausführung vornehmen. So war wegen der Beschaffenheit des Baugrundes ein tieferes Fundament notwendig. Die Geschosshöhe des Turmes musste um 9 Fuß (1 Fuß=0,3048m) erhöht werden, damit der Dachfirst unter dem 2. Gesims des Turmes anstößt. Entgegen Schinkels Entwurf wurden für die Turmecken Quader aus Haustein verwendet und die innenliegenden Flächen glatt verputzt. Da der Turm sehr Massig wirkt und sich nicht recht in die Landschaft einfügt, entstanden um 1900 Entwürfe, den Turm mit einer barocken Haube auszustatten. Diese Pläne wurden jedoch nicht ausgeführt.

(Quelle: Andreas Bernhard; Gert Streit: Karl Friedrich Schinkel, Führer zu seinen Bauten, Band2)