Aufgenommen im April 2012

Die kleine Stadt Rees liegt am Niederrhein im Nordwesten NRW's, unweit der niederländischen Grenze. Als 1811 das Langhaus und wenig später der Turm der gotischen Kirche einstürzten, wurde ein Neubau fällig. Nachdem erste Entwürfe durch Bauinspektor Otto von Gloeden und dem Architekten Verwayen von der Regierung in Kleve abgelehnt wurden, wurde der Bauinspektor Karl Gottlieb Heermann mit der Ausarbeitung eines neuen Plans beauftragt. Im April 1820 wurden die Pläne in der Berliner Oberbaudeputation (OBD) eingereicht. Ohne auf die revidierten Entwürfe der OBD zu warten wurde noch im selben Jahr mit dem Bau begonnen. 1822 mussten die Bauarbeiten wegen Geldmangels unterbrochen werden. Erst jetzt erfuhr die OBD von dem bereits begonnenen Bau. Es wurden Vorschläge unterbreitet, um die Kosten zu senken. Die Pläne mussten neu ausgearbeitet werden und der OBD erneut zur Begutachtung vorgelegt werden. Erst 1826 lag das Gutachten Schinkels mit zwei Zeichnungen vor, auf denen die Änderungswünsche angegeben wurden. Da aber der Bau zwischenzeitlich erneut aufgenommen wurde, konnten nur noch geringe Änderungen ausgeführt werden. Die Türme wurden nach Schinkels Angaben errichtet. Über dem Giebeldreieck sollten die Türme mittels einer Attika verbunden werden. Auch sollten die hohen Seitenfenster verkürzt und der Bau in Putzquaderung ausgeführt werden. Auf all diese Änderungswünsche wurde keine Rücksicht genommen. Der Vorschlag Schinkels, den Eingangsbereich würdiger zu gestalten wurde zwar aufgenommen, aber in veränderter Form. Schinkel sah keinen Rundbogen vor, sondern eine große rechteckige Nische, in der sich eine große "Tempeltür" befindet.
Im Inneren wurden Schinkels Angaben zum Einbau der Orgel, der Kanzel und der Verwendung von Lisenen an den Seitenwänden (statt Pilaster) befolgt. Obwohl die Kirche noch nicht vollendet war und sich vereinzelt Bauarbeiten bis in die 1830er Jahre hinzogen, wurde die Kirche schon 1828 geweiht. Bei einer Instandsetzung 1872 wurden die Zeltdächer entfernt und durch neuromanische Turmhauben ersetzt.
Im 2. Weltkrieg wurde die Kirche bis auf die Außenmauern zerstört. Beim Wiederaufbau wurde sie in den alten klassizistischen Formen mit den Schinkelschen Türmen wiederhergestellt. Der Innenraum wurde in hellen freundlichen Farben gestaltet. Entgegen dem Vorkriegszustand wurde die Kassestierung des Tonnengewölbes in Stuck ausgeführt. Das Oberlicht im Chorgewölbe wurde geschlossen und die Kanzel, die sich ursprünglich an der vorderen rechten Säule befand, wurde nicht wieder angebracht.

(Quelle: Andreas Bernhard; Gert Streit: Karl Friedrich Schinkel, Führer zu seinen Bauten, Band2;
Eva Brües, Schinkel Lebenswerk-Die Rheinlande)