Historische Ansichtskarten

Im Glatzer Kessel (Kotlina Kłodzka) liegt am Fuße des Habelschwerdter Gebirges (Góry Bystrzyckie) der gleichnamige Ort Habelschwerdt (Bystrzyca Kłodzka). Die Grafschaft Glatz gehörte bis zum Ende des Siebenjährigen Krieges zu Österreich und musste als Folge der Friedensverhandlungen auf Schloss Hubertusburg in Sachsen im Jahre 1763 an Preußen abgetreten werden. 1818 wurde die Grafschaft nach Schlesien eingegliedert.
Die Bevölkerung war überwiegend katholisch. Evangelische Kirchen gab es keine. Auf Betreiben von Oberstleutnant von Borlasch wurde der Bau einer evangelischen Kirche initiiert. Auf Vermittlung durch Minister von Altenstein erwirkte man am 30. Januar 1821 beim König ein Gnadengeschenk für die Baukosten.
Ein Bauplatz wurde an der ehemaligen Stadtbefestigung neben dem Ritterturm gefunden. Der Entwurf wurde durch Bauinspektor Friedrich angefertigt. Da vorgesehen war, gleichzeitig eine Schule zu errichten, sah Friedrichs Entwurf vor, beides in einem Gebäude unterzubringen. Dies wurde von der Berliner Oberbaudeputation (OBD)abgelehnt.
Schinkel erstellte im März 1822 einen Gegenentwurf, der Schule und Kirche in nebeneinander liegenden Gebäuden unter brachte und durch einen Torbogen verband. Ein zweiter Torbogen sah er als Verbindung zwischen Kirche und dem Ritterturm vor. Beide Gebäude wurden auf fast quadratischem Grundriss errichtet, wobei die Kirche etwas größer ist. Sie sind mit einem flachen Satteldach bedeckt und sollten ursprünglich eine Putzquaderung erhalten, die jedoch nicht ausgeführt wurde. Lediglich die Kirche erhielt zumindest an den Ecken eine Putzquaderung.
Die Schule hat rechteckige Fenster, die Fenster der Kirche sind Rundbögig. Der Innenraum ist flach gedeckt, über der Eingangsseite befand sich eine Orgelempore. In der fensterlosen Apsis stand der Altar, der eine Nachbildung des Christus von Thorvaldsen enthielt.
Baubeginn war im Mai 1822. Schon am 31. Oktober konnte die Kirche eingeweiht werden, ein dreiviertel Jahr später, im Juni 1823 die Schule.
Die Separierung beider Bauten begründete Schinkel im Begleitschreiben zum Gegenentwurf u.a. mit der Brandsicherheit, da "der isolierte Bau eines öffentlichen Gebäudes vorzuziehen und der Zusammenbau eines solchen mit anderen Gebäuden, in denen Feuerungen aller Art im Gange sind, nie zu empfehlen" ist.
Wie Recht Schinkel mit dieser Aussage hatte, bewahrheitete sich schon knapp ein Jahr später, als der Brand eines gegenüberliegenden Bürgerhauses auf die Kirche übergriff und diese bis auf die Aussenmauern nieder brannte. Die Schule blieb bei diesem Brand unversehrt. Die Kirche wurde wieder nach den Originalplänen aufgebaut.
Heute sind beide Gebäude ihrer einstigen Bestimmung beraubt. In ihnen befindet sich seit 1964 ein Streichholzmuseum.

(Quellen: Andreas Bernhard; Gert Streit: Karl Friedrich Schinkel, Führer zu seinen Bauten, Band2
Günther Grundmann; Schinkel Lebenswerk, Band Schlesien)