Aufgenommen im März 2013

Kanth (Kąty Wrocławskie) ist eine Stadt in Niederschlesien, ca 20km südwestlich von Breslau. 1831 wurde die evangelische Gemeinde gegründet, die bald ein eigenes Gotteshaus benötigte. Ein erster Entwurf wurde am 26. März 1831 in der Berliner Oberbaudeputation (OBD) von Carl Ferdinand Busse bearbeitet. Nach Schinkels Vorgaben fertigte Busse einen Gegenentwurf an, den Schinkel mit dem dazugehörigen Gutachten mit unterzeichnete. Auch ist ein Schreiben Schinkels bekannt in dem er, während seiner Schlesienreise 1832, von einem Gespräch über den Kirchenbau in Kanth mit dem Breslauer Baurat Manger berichtet. Demnach drang Schinkel darauf, das der Bau nach den Angaben der ODB aus den besten Ziegeln ohne Putz auszuführen sei. Ferner wurde die Dachneigung und die Balkendecke im Inneren besprochen. Ausserdem sollten nur die besten Handwerker angestellt werden unter der Aufsicht eines "geschickten Baukondukteurs."
Grundsteinlegung war am 14. März 1833 auf dem Marktplatz, direkt neben dem Rathaus. Weitere Gutachten der OBD während der Bauphase betrafen Details des Aussenbaus und der Inneneinrichtung. So kann man einem Brief des Breslauer Baurat Manger entnehmen, das die Reliefs in den Rundbögen über den Türen der Haupteingangsseite einem Entwurf Schinkels entstammen. Diese stellen je zwei knieende Engel dar, die eine gußeiserne Tafel halten. Diese Reliefs existieren heute anscheinend nicht mehr. Die Rundbögen sind heute geschlossen und glatt verputzt.
Der Bau wurde 1833-36 in Sichtziegelbauweise unter der Leitung von Baukondukteur Frey errichtet. Zum Einsatz kamen verschiedenfarbige Ziegel, die im Mauerwerk eine lose, senkrechte Musterung erscheinen lassen. Die Fenster sind mit Rundbögen versehen. Im Inneren befand sich eine dreiseitig umlaufende Empore und ein Kanzelaltar.
Am 19. Juli 1836 fand die Einweihung der Kirche statt.
Da die Kirche keinen Turm besitzt, wurde 1845 ein Glockenstuhl für drei Glocken im östlichen Dachstuhl eingerichtet.
Die Kirche wird heute als Supermarkt genutzt. Die Inneneinrichtung ist somit nicht mehr erhalten. Am rückwärtigen Eingang befindet sich heute eine Rampe, die zur Warenanlieferung genutzt wird.

(Quellen: Günther Grundmann: Schinkel Lebenswerk, Band Schlesien;
Andreas Bernhard; Gert Streit: Karl Friedrich Schinkel, Führer zu seinen Bauten, Band2;
Hilbert Ibbeken, Elke Blauert: Karl Friedrich Schinkel-Das architektonische Werk heute)