Historische Ansichtskarte
Die Stadt Schlochau liegt auf einer Landenge zwischen zwei Seeen in Kleinpommern (Pomerellen) im heutigen Polen und lag an der Poststraße Berlin - Königsberg. 1312 wurde der Ort vom Deutschorden gekauft, der hier die größte Deutschordenschloss Pommerns errichtete. 1466 wurde die Stadt in ein Krongut (Sarostei) umgewandelt. Bis 1772 wurde das Schloss noch von einer Fürstin Radzivill bewohnt. Nach zwei verheerenden Stadtbränden in den Jahren 1786 und 1793 wurde das inzwischen verlassene Schloß zum Steinbruch, um die Stadt mit Baumaterialien für den Wiederaufbau zu versorgen. Einzig der mittelalterliche Burgfried blieb erhalten. Die evangelische Gemeinde besaß ein Bethaus am Markt. Doch da dieses 1818 zur Schule umgebaut wurde, erhielt sie zum Ausgleich bis dahin noch vorhandene Räumlichkeiten auf dem Schloßgelände zur Nutzung. Längfristig wurde jedoch ein Neubau angestrebt. 1822 kam endlich Bewegung in die Sache. Bauinspektor Salzmann legte im April einen ersten Entwurf vor, der allerdings nicht erhalten ist. Im August 1823 legte er einen 2. Entwurf vor, der schon wesentliche Merkmale des heutigen Kirchenbaus enthielt. Er entwarf einen an den Turm angefügten rechteckigen Saalbau ohne Chor. Die Längs- und Giebelseiten enthalten Spitzbogenfenster. Gedeckt ist der Bau mit einem Satteldach. Schinkel revidierte diesen Entwurf im März 1825, bei dem er in einem Begleitschreiben ausführlich auf die Änderungen einging. Er machte mehrere Angaben zu Änderungen, die teils zweckmäßiger Natur sind (z.B. zum Ausgleich des unterschiedlichen Niveaus), sowie ästhetischer Art (z.B. schlankere Fenster mit abgetreppter Laibung und darüber liegendem Zahnschnitt). Schinkel sprach sich auch für die Einbeziehung des Burgfrieds als Glockenturm aus. Doch das lehnte die Gemeinde ab. Erst als 1840 umfangreiche Restaurierungsarbeiten am Turm nötig wurden, erfolgte die Einrichtung zum Glockenturm. Der obere Turmabschluß mit Zunnen und Putzfeldern erfolgte nach Plänen der Oberbaudeputation in Berlin. Heute wird das Gebäude als Kulturhaus und Museum genutzt.
(Quelle: Eva Börsch Supan, Schinkel Lebenswerk-Die Provinzen Ost- und Westpreussen und Herzogtum Posen)