Im damals wie heute, vorwiegend katholischen Guttstadt, plante die kleine evangelische Gemeinde einen Kirchenneubau. Landbaumeister Jester reichte 1826 einen entsprechenden Plan in gotischen Formen bei der Oberbaudeputation ein. Schinkels Gegenentwurf behielt zwar die Grunddisposition des Jester-Bauplans bei, entwarf aber den Kirchenbau konsequent im Rundbogenstil, jedoch ohne Turm. Dieser Entwurf wurde aber nicht ausgeführt, da König Friedrich Wilhelm II. im Jahr 1827 mit dem Normalkirchenerlass Gestaltungsvorgaben für Kirchenneubauten in kleinen evangelischen Gemeinden machte. Die "Normalkirche" ist ein von Schinkel entworfener Musterplan, der vom König im Normalkirchenerlass zur Ausführung bestimmt wurde. So wurde der Schinkelsche Gegenentwurf an den Normalkirchenentwurf angepasst und zur Ausführung bestimmt. Die Grundsteinlegung erfolgte 1829. Noch während des Baus wurde der Plan zum Turmbau bewilligt. Da bei der Errichtung des Turmes Gelder eingespart wurden, erbat sich die Gemeinde beim König die Erlaubnis, ein weiteres Geschoß errichten zu dürfen, was König Friedrich Wilhelm II. auch bewilligte. Allerdings stürzte der Turm noch vor der Fertigstellung 1833 ein. Ein neuer Entwurf wurde von Ulrich erstellt, der sich bei der Gestaltung des Turms nun ebenfalls am Normalkirchenplan Schinkels orientierte. In den Jahren 1835-37 wurde der Turm errichtet. 1899 wurde die Kirche renoviert. Nach dem 2. Weltkrieg wurde sie als Cafe benutzt. Nachdem die Kirche 1969 vollständig ausbrannte, wurde sie bis 1978 wieder aufgebaut. Seitdem ist in ihr die Stadtbibliothek untergebracht.

(Quelle: Andreas Bernhard; Gert Streit: Karl Friedrich Schinkel, Führer zu seinen Bauten, Band2)