Aufgenommen im Juli 2009

Das Schloss Kornik liegt ca. 20 km südlich von Poznan (Posen) und wurde im 14. Jahrhundert vom Geschlecht der Górka errichtet. In den folgenden Jahrhunderten wurde es mehrmals, nach dem jeweiligen Geschmack der Zeit, um- und ausgebaut. Nach dem Erlöschen des Geschlechts der Górka im 16. Jh. ging der Besitz an die Dzialynskis über. 1826 erbte der junge Graf Tytus Dzialynski (1796-1864) das heruntergekommene Anwesen. Er war dem polnischen Volk gegenüber patriotisch eingestellt und hatte bereits eine große Sammlung an polnischen Schriften, Kunstwerken, Münzen und Militaria zusammengetragen. Diese Sammlung sollte im Schloss eine neue Heimstatt finden. Zu diesem Zweck musste das Gebäude erheblich umgebaut werden. Noch im selben Jahr wurde die Bibliothek im Schloss untergebracht. Dabei zeigte sich, das die Mauern das erhebliche Gewicht der vielen Bücher nicht aufnehmen konnten und verstärkt werden mussten. Obwohl Dzialynski Architektur studiert hatte, wandte er sich an die Architekten Antonio Corazzi und Enrico Marconi, um Pläne für den Umbau ausarbeiten zu lassen. Da er mit diesen jedoch nicht zufrieden war, wurde Schinkel 1828 mit der Erstellung der Umbauentwürfe beauftragt. Bedingung war, das der Bau ein gotisches Gepräge erhält. Schinkels Entwurf sah eine Aufstockung des Gebäudes mit flach, nach innen geneigten Pultdächern vor, umgeben von einem umlaufenden Zinnenkranz. Die Südfassade gestaltete er als Haupteingangsseite. Dazu war es nötig, eine große Terrasse anzulegen, die über eine Brücke vom Park her erreicht werden sollte. Dzialynski bestimmte diese Pläne zur Ausführung und ließ alsbald die Arbeiten beginnen. Wegen seiner Teilname am polnischen Aufstand musste Graf Dzialynski nach dessen Scheitern das Land verlassen. Die Umbauarbeiten wurden eingestellt. Seine Güter wurden vom preußischen Staat eingezogen. Erst 1839 konnte er nach Kornik zurückkehren. Da Schinkel wohl nicht mehr mit einer Verwirklichung seiner Pläne rechnete, veröffentlichte er sie in seiner "Sammlung Architektonischer Entwürfe". Erst nach seinem Tode wurden die Bauarbeiten fortgesetzt, die sich bis ins Jahr 1860 hinzogen. Im Laufe der langen Errichtungszeit wurden erhebliche Änderungen beim Bau vorgenommen. Viele Details wurden auch den ersten beiden Entwürfen von Corazzi und Marconi entnommen, so das nur die räumliche Struktur und das allgemeine Erscheinungsbild des Schlosses auf Schinkel zurückzuführen ist. So ist der Haupteingang an die Nordseite verlegt worden. An Stelle der Terrasse vor der Südfassade wurde ein Wintergarten errichtet und die große Spitzbogennische in der Südfassade wurde dem Entwurf Corazzis entnommen. Der Bergfried wurde in Sichtziegelweise errichtet und war in den ursprünglichen Planungen nicht vorgesehen. Das Schloss Kornik liegt am Rand eines 40 Hektar großen dendrologischen Landschaftsparks (Arboretum) mit über 3000 verschiedenen Gehölzen. Im Schloss befinden sich Schauräume aus der Zeit der Romantik mit vielen originalen Möbeln, Gemälden, einer Rüstkammer u.s.w.. Die Bibliothek Kornik verfügt heute über einen Bestand von über 400000 Büchern und gehört seit 1953 zur polnischen Akademie der Wissenschaften.

(Quelle: Andreas Bernhard; Gert Streit: Karl Friedrich Schinkel, Führer zu seinen Bauten, Band2;
Eva Börsch Supan, Schinkel Lebenswerk-Die Provinzen Ost- und Westpreussen und Herzogtum Posen)