Aufgenommen im August 2014

Die Leipziger Universität besteht seit 1409 und ist die zweitälteste in Deutschland. Nur die Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität, Gründungsjahr 1386, ist älter.
In den Jahren 1832-36 wurde am Augustusplatz ein neues Hauptgebäude der Universität, das Augusteum, durch den Leipziger Architekten Albert Geutebrück errichtet. Benannt wurde es nach dem sächsischen König Friedrich August I. (1750-1827).
Karl Friedrich Schinkel wurde 1831 durch Geutebrück gebeten, die Pläne zu begutachten. Schinkel nahm umfangreiche Korrekturen an der Fassade vor und stellte die neue Ansicht auf einer Entwurfszeichnung dar. Auch das heutige "Schinkeltor" war Teil dieser Entwurfszeichnung und befand sich, in der Funktion eines Haupteinganges, in der Gebäudemitte.
Die Änderungsempfehlungen Schinkels übernahm Geutebrück in seine eigenen Pläne und bestimmte sie zur Ausführung.
Das Schinkeltor besteht aus zwei, mit Reliefs versehenen Pfeilern, auf dem ein Architrav mit einer darüber liegenden Balusterbrüstung ruht. Die Brüstung wird von zwei, auf Sockeln stehenden weiblichen Musen (Melpomene und Kalliope) flankiert. Die Reliefplatten wurden nach Schinkels Entwurf vom Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel gefertigt.
Bei umfangreichen Um- und Ausbauarbeiten in den Jahren 1892-97 wurde u.a. auch die Schinkelsche Fassade des Augusteums umgestaltet. Das Haupteingangsportal wurde ausgebaut und an der linken Gebäudeseite als Torzufahrt wieder aufgestellt. Seitlich wurde das Tor um zwei Fußgängerdurchgänge erweitert.
Im 2. Weltkrieg wurde die Universität schwer beschädigt. Die Ruinen standen bis 1968, bis auf geheiß der damaligen DDR Führung das Augusteum, zusammen mit der unbeschädigten Paulinerkirche, gesprengt wurde. Das Schinkeltor wurde geborgen und eingelagert. Auf dem frei gewordenen Gelände entstand bis 1975 ein neuer Gebäudekomplex für die nunmehr nach Karl Marx benannte Universität. Das Schinkeltor wurde 1981 nach einer Restaurierung zwischen dem neuen Universitäts-Hauptgebäude und dem Seminargebäude wieder aufgestellt, jedoch ohne die beiden weiblichen Musenfiguren. Allerdings war es seiner Funktion beraubt, da der Baukörper nur zur Zierde aufgestellt wurde.
Ganz anders heute. Nach der Demontage im Jahre 2004 wurde das Tor in den Universitätsneubau des niederländischen Architekten Erick van Egeraat integriert. Es fungiert nun als Eingang vom Leibnizforum aus ins Neue Augusteum.

(Quelle: Andreas Bernhard; Gert Streit: Karl Friedrich Schinkel, Führer zu seinen Bauten, Band2
Pressemitteilung 209/2004 vom 10.06.2004 der Universität Leipzig)